{"id":1572,"date":"2019-11-04T10:48:44","date_gmt":"2019-11-04T10:48:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreaheller.ch\/?p=1572"},"modified":"2023-09-25T12:44:07","modified_gmt":"2023-09-25T12:44:07","slug":"andrea-heller-quantensprung-in-eine-neue-dimension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreaheller.ch\/?p=1572","title":{"rendered":"Andrea Heller \u2014 Quantensprung in eine neue Dimension von Adrian D\u00fcrrwang, Fokus im Kunstbulletin, 2019"},"content":{"rendered":"\n<p>Fokus<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n Ausstellung von Andrea Heller im Centre Pasquart bietet \u00adeinen \nR\u00fcckblick auf das Werk der K\u00fcnstlerin, die sich mit unverwechselbaren \nTuschezeichnungen und Aquarellen von komplex gewachsenen K\u00f6rpern, \nClustern und Strukturen einen Namen gemacht hat. Zugleich zeigt sich \nihre vielversprechende Suche nach neuen skulpturalen und installativen \nAns\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nvon <a href=\"https:\/\/www.artlog.net\/de\/users\/adrian-durrwang\">Adrian D\u00fcrrwang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im\n Foyer des Kunsthauses Pasquart in Biel empf\u00e4ngt einen die Arbeit \u2039Ohne \nTitel (Verwirrung)\u203a, ein charakteristisches Grossformat aus dem Jahr \n2014. Diese zeigt ein violett-blaues, verschlungenes Kn\u00e4uel&nbsp;\u2013 \nschrecklich-sch\u00f6n&nbsp;\u2013 vielf\u00e4ltige Assoziationen vom Seilgewirr bis zum \nGekr\u00f6se der Eingeweide weckend. Einzelne Spuren verweisen dabei auf die \nganz spezielle Aquarelltechnik von Heller. Sie arbeitet mit Farbfl\u00e4chen,\n die verlaufen oder Trocknungsringe bilden, sich gegebenenfalls \n\u00fcberlagern, aber sie setzt keine Punkte oder Pinselstriche.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontrolle und Prozess<\/strong><br>Hellers Arbeiten entstehen \nin einem geplanten \u00abfreien\u00bb Prozess, k\u00f6nnte man etwas paradox \nformulieren. Sie \u00fcberlegt sich, welche technischen Voraussetzungen \nerf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit sie mit den Farben die Wirkung erreicht, die \nsie anstrebt: Muss sie das Blatt h\u00e4ngen oder auf dem Tisch \nplatzieren?\u2009Dann reiht sie im Prozess die sich wiederholenden \nFarbfl\u00e4chen aneinander&nbsp;\u2013 allerdings ohne feste Vorstellung, zu welcher \nFormation das Gesamte schliesslich zusammenfindet. \u00abDie Papierarbeiten \nwachsen organisch und architektonisch\u2009&#8230;\u00bb, betont sie im Interview mit \nder Direktorin des Pasquart Felicity Lunn im Katalog zur Ausstellung. \nBemerkenswert sind Arbeiten wie \u2039Wall (a specific place)\u203a von 2019, die \nin Biel erstmals zu sehen sind. Hier f\u00fchrt Heller ihre spezifische \nTechnik gelungen auf roher Baumwolle weiter und befragt gekonnt das \nThema der Objekthaftigkeit von Papier und Textil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konstruktion und Wachstum<\/strong><br>Heller interessiert das\n Spannungsfeld zwischen Gebautem und Gewachsenem. Dies verdeutlicht ein \nVergleich der \u00e4ltesten Bl\u00e4tter der Ausstellung, der Serie \u2039Meteorit\u203a von\n 2005\/2006, mit der neuen, ortsspezifischen Installation \u2039L\u2019endroit de \nl\u2019envers\u203a, zwei gigantischen \u00abKartenh\u00e4usern\u00bb, auch wenn die beiden Werke\n auf den ersten Blick wenig gemein haben. Die Installation nimmt fast \ndie gesamte H\u00f6he von 5,8&nbsp;Meter der \u2039Salle Poma\u203a, des gr\u00f6ssten Raumes des\n Kunsthauses, ein, w\u00e4hrend sich die Meteoriten als kompakte Formen nur \nauf einem Blatt Papier ausbreiten. Einzig die schwarze Farbe scheint die\n unterschiedlichen Werke zu einen. Die Holzplatten, auf die Heller \ntagelang mehrere Schichten von Chinatusche aufgetragen hatte, sind nun \nmit wolkigen,&nbsp; dunkel verfliessenden Schlieren \u00fcberzogen, w\u00e4hrend die \nOberfl\u00e4che der Meteoriten eine fast haptische Qualit\u00e4t suggeriert. Doch \nbeides ist ein Spiel zwischen K\u00f6rper, Raum und Dekonstruktion, eine \nwechselseitige Beziehung, die das Werk derK\u00fcnstlerin wie ein roter Faden\n durchzieht. Die Installation offenbart ihre fragile Konstruktion erst, \nwenn man sie umrundet. Dabei wird sie von der geschlossenen zur offenen \nForm, ohne&nbsp;\u2013 dies suggeriert bereits der Titel&nbsp;\u2013 einen idealen Standort \nzuzulassen. Auch die Meteoriten zeigen erst aus der N\u00e4he, dass deren \n\u00abharte\u00bb Oberfl\u00e4che ebenfalls aus der Grundform des Dreiecks gewachsen \nist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Natur und Architektur<\/strong><br>Das Dreieck verweist f\u00fcr \nHeller unter anderem auf die einfachste Form der Behausung. Wie die \nKuppel oder die Raute sind es solche Grundformen, die sie in B\u00fcchern der\n Hippie-\u00c4ra&nbsp;\u2013 \u2039Shelter\u203a oder \u2039Nomadic Furniture\u203a&nbsp;\u2013 wiederfindet und die \nsie inspirieren: Es sind Publikationen mit reichem Bildmaterial zu \n\u00abH\u00f6hlen, H\u00fctten, Zelten, Kuppeln\u00bb und Anleitungen zur Konstruktion solch\n tempor\u00e4rer Wohnst\u00e4tten indigener V\u00f6lker, wie Olivier Kaeser in seinem \nKatalogbeitrag ausf\u00fchrt. Diese Referenzen werden erg\u00e4nzt durch ein \npers\u00f6nliches Archiv aus in Zeitschriften oder im Internet gefundenen \nsowie eigenen Fotos. Das Archiv bildet \u00abmehr oder weniger unmittelbar \neinen N\u00e4hrboden f\u00fcr das gesamte Werk der K\u00fcnstlerin\u00bb, schreibt Kaeser. \nSeit 1998 w\u00e4chst es und umfasst eine Vielfalt an Themen, von \nNaturkatastrophen \u00fcber Politik,Landschaften und Geb\u00e4uden bis zu \nKuriosit\u00e4ten. Etwas pathetisch k\u00f6nnte man vielleicht von einem \n\u00abPanoptikum der Welt\u00bb sprechen. Es offenbart sich ein fast \nanthropologisches Interesse an Formen und Strukturen sowie Bebauungen \nund Eingriffen des Menschen in die Natur und an vielf\u00e4ltigen damit \nverbundenen Grundsatzthemen wie etwa Schutz und Sicherheit oder \nBedrohung respektive Bedr\u00e4ngung. Immer schwingt in den provisorischen \nfragilen Bauten der K\u00fcnstlerin auch die Frage nach einer Alternative zu \nunserer Gesellschaft mit. Dar\u00fcber hinaus interessieren sie \nZwischenzust\u00e4nde, die sich im Organischen und in der Natur ausbilden. So\n ist bei ihr das Hybride und Anthropomorphe in unterschiedlichster Form \nanzutreffen: kristallin, wachsend, wuchernd oder clusternd\u2009\u2026 Manchmal \nlassen sich Geschlechtsorgane, Wolken, Netze oder Vulkanlandschaften \nerahnen&nbsp;\u2013 doch immer bleiben die Formen vielschichtig. Eine zentrale \nRolle spielt die Verf\u00fchrung, dochebenso entschiedend sind die vielen \nversteckten \u00abIrritationsmomenten\u00bb ist, auf die auch die K\u00fcnstlerin im \nInterview hinweist: \u00abSolche&nbsp; Br\u00fcche und Kontraste sind mir wichtig und \nziehen sich durch alle Themen in meiner Arbeit. Sie machen eine \nmehrschichtige Lesbarkeit m\u00f6glich.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Repetition und Innovation<\/strong><br>Die Ausstellung bot \nsichtlich Anlass und Gelegenheit, Neues auszuprobieren, wobei die \n18&nbsp;Monate Vorbereitungszeit, die 800&nbsp;Quadratmeter und die Ver\u00e4nderungen \nin ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld den Rahmen absteckten. Nach einer Zeit in \nParis lebt Andrea Heller seit 2014 mit Familie und drei Kindern in der \nN\u00e4he von Biel und verf\u00fcgt \u00fcber ein ruhiges Atelier. In Anlehnung an die \nDIY, die \u00abDo it yourself\u00bb-Kultur der Siebzigerjahre, wie es Olivier \nKaeser bezeichnet, ist f\u00fcr Heller das Atelier Ausgangspunkt ihres \nSchaffens. Aus dem Interview: \u00abDas Handwerkliche hat einen zentralen \nPlatz in meiner Arbeit, es leitet mich immer zu einem Medium. Meine \nHerangehensweise ist nicht akademisch, [&#8230;] Ich arbeite eigentlich \nrecht intuitiv; tats\u00e4chlich ist die Intui\u00adtion f\u00fcr mich wie ein \nWerkzeug, das ich bewusst verwende, um meine eigene Sprache zu \nverfeinern.\u00bb In einem solchen Prozess, gar einem kleinen Marathon, \nentstanden erstmals Gipsg\u00fcsse, die Serie \u2039Terrain vague\u203a, welche \nzwischen organischer Form und Landschaft oszilliert und die endlos lange\n Vitrine im zweiten Stock des Kunsthauses sinnvoll best\u00fcckt. \u00dcberdies \nhat die K\u00fcnstlerin die vielleicht etwas gar bunten, gl\u00e4sernen \nKonusformen in Auftrag gegeben und somit Vorbilder aus ihrem Werk in die\n dritte Dimension transformiert. Die Objekte verm\u00f6gen viele zu \nbegeistern, auch wenn sie zuweilen das Moment der Verf\u00fchrung etwas gar \nstark gewichten. Der Charakter einer fortw\u00e4hrenden Recherche zeigt sich \nauch in den Titeln der j\u00fcngsten Werke. Sowohl derjenige der Gipsarbeiten\n wie auch die der Textilarbeiten oder der Installation kreisen um Fragen\n der Ortlosigkeit, der Perspektive und des Standorts. Somit ist diese \n\u00dcberblicksausstellung weniger retrospektiv zu verstehen, auch wenn sich \nneben \u00e4lteren Arbeiten sogar ein verstecktes Werk aus Studienzeiten \neingeschlichen hat, wobei das Video wohl nur von k\u00fcnftigen \nKunstbegeisterten wahrgenommen werden kann&nbsp;\u2013 mehr sei nicht verraten. \nDie Ausstellung illustriert vielmehr eine Vielzahl aktueller \nEntwicklungen im Werk von Andrea Heller. Sie selber bezeichnet&nbsp; diese \nangesichts des masst\u00e4blichen Quantensprungs ihrer grossen Installation \nscherzhaft als \u00abKatapult\u00bb und als Sinnbild daf\u00fcr, dass sie aus \u00abeiner \ngewissen Starre herausgefunden\u00bb habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Adrian D\u00fcrrwang, Kunsthistoriker, freier Autor und Lehrer, lebt in Bern. <a href=\"mailto:a_duerrwang@hotmail.com\">a_duerrwang@hotmail.com<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"> <\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fokus Die Ausstellung von Andrea Heller im Centre Pasquart bietet \u00adeinen R\u00fcckblick auf das Werk der K\u00fcnstlerin, die sich mit unverwechselbaren Tuschezeichnungen und Aquarellen von komplex gewachsenen K\u00f6rpern, Clustern und Strukturen einen Namen gemacht hat. 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